Dies Academicus

Die Idee

Jedes Jahr wird im Dezember an der PTH der Dies Academicus begannen. Einen ganzen Tag widmen sich verschiedene Wissenschaftler der PTH, aber auch eingeladene Experten von außerhalb, der Theologie der Spiritualität unter verschiedenen Vorzeichen. Seit 2015 findet im Anschluss an den Dies Academicus auch der Actus Academicus statt, bei dem die PTH im formellem Rahmen ihre Absolventen ehrt, neue Professoren einführt und Ehrungen vornimmt.

Dies academicus 2021

Der kommende Dies academicus der PTH findet am 8. Dezember 2021 Dezember im Kapuzinerkloster Münster statt.
Sein Thema lautet: „Transformatio – Der Mensch im Wandel”.

Veränderung, Umkehr, Konversion, Wachstum und Reifung – all diese Prozesse im Bereich von Glauben und Spiritualität finden ihr Zentrum im Begriff der transformatio. Transformatio meint die fortwährende Umformung eines Menschen, der antwortet auf den Ruf des menschgewordenen Gottes Jesus Christus und dadurch zu einem neuen Menschen wird. Diese Umformung verwirklicht sich in engagierten und verantworteten Beziehungen zur Welt, zum Mitmenschen und zu sich selbst. Welche Gestalten und Ausprägungen kennt die tranformatio – angefangen bei den biblischen Beispielen der Nachfolge Christi über die in der Mystik beschriebenen Wandlungen bis hin zu Transformationsprozessen klassischer Ordenscharismen und den Phänomenen der „transformativen Spiritualitätsbewegung“ und der „transformativen Lebenshilfe“ in der Gegenwart?

Wir laden dazu ein, im Rahmen des diesjährigen Dies academicus einen Begriff zu erkunden, der wie kaum ein anderer die Suchbewegungen, Umbrüche und den Gestaltwandel des religiösen und kulturellen Lebens der Gegenwart zusammenfasst.

Tagungsprogramm

8.00 Uhr Heilige Messe im Kapuzinerkloster
9.00 Uhr Transformation und Nachfolge Jesu
Biblische und glaubensgeschichtliche Sondierungen
Wer Christus nachfolgt, lässt sich auf eine wahrhaft „große Transformation“ (U. Schneidewind) ein, wird ein „anderer Mensch“ – und findet darin zu sich. Entscheidend ist, Christus, den „neuen Menschen“, als das Woraufhin der Transformation in den Wechselfällen des Lebens im Blick zu behalten. Menschen der Bibel und der Glaubensgeschichte bieten dafür Orientierung.
Dr. Christoph Benke, geb. 1956, Priester der Erzdiözese Wien, Pfarrseelsorge, Studentenseelsorge. Promotion und Habilitation in dogmatischer Theologie. Seit 2013 Schriftleiter von GEIST & LEBEN (Zeitschrift für christliche Spiritualität).
anschl. Kaffeepause
11.00 Uhr Transformation und Mystik
Unter besonderer Berücksichtigung der Erfahrung der Teresa von Ávila und des Johannes vom Kreuz
Für die christliche Anthropologie, wie sie das Zweite Vatikanische Konzil in „Gaudium et spes“ deutlich zur Sprache gebracht, trägt der Mensch in sich eine „göttliche Berufung“. Die mystische Erfahrung ist ein Weg zur „Christusförmigkeit“ als Ausdruck dieser Berufung: „Wer sich an den Herrn bindet, ist ein Geist mit ihm“ (1Kor 6,17)“. Der so „verwandelte“ Mensch wird zum Mitarbeiter an der Transformation bzw. Christusförmigkeit der Welt und der Kirche. So ist die mystische Erfahrung immer missionarisch – auch in der Kontemplation.
Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Mariano Delgado, geb. 1955, ord. Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte und Direktor des Instituts für das Studium der Religionen und den interreligiösen Dialog an der Universität Freiburg/Schweiz; Schriftleiter der Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft (ZMR); Leiter der Sektion Religionswissenschaft, Religionsgeschichte, Ethnologie in der Görres-Gesellschaft; Dekan der Klasse VII (Weltreligionen) in der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste.
12.30 Uhr Mittagessen
14.30 Uhr Kaffeepause
15:00 Uhr Vom Großen ins Kleine
Ein Transformationsprozess in einer Ordensgemeinschaft – Erfahrungsbericht aus Sicht der Begleiterin
Ein Studentenwohnheim, das über 100 Jahre lang von Franziskanerinnen geprägt wurde, entwickelt ein neues Konzept.  Ein ergebnisoffener Entwicklungsprozess zwischen Ordensfrauen, Bischofsvikar, Studierenden, Künstler, Architekt und externen Expert*innen. Der franziskanische Geist begegnet der modernen Lebenswelt der jungen Erwachsenen – und blitzt in einer neuen Weise auf, die zunächst keiner der Protagonisten erwartet hätte. Die Erfahrung wirkt in die Ordensgemeinschaft als Ganze hinein. Und kann Hinweise geben auf grundlegende Dynamiken von Transformation.
Sabine Rhein, Studium der Sozialpädagogik, Fortbildungen u.a. in Theologie, geistlicher Einzelbegleitung, geistlicher Prozessbegleitung von Gruppen & Gremien, Systemik, Biografiearbeit und Theaterpädagogik – und stark geprägt von der lebendigen Kirche Nordostbrasiliens. Tätigkeiten als Dekanatsjugendreferentin, Diözesanreferentin für Junge Erwachsene und – derzeit – mit zwei Teilstellen Referentin für die Entwicklung von Orden/ kommunitären Lebensformen und pädagogische Leitung eines Studentenwohnheims.
anschl. Kaffeepause
16.30 Uhr Spiritualität unter psychologischem Transformationsdruck – Lebenshilfe-Angebote als Herausforderung für die Seelsorge
Spirituell begründete Beratungs- und Therapie-Angebote haben sich neben wissenschaftlich begründeten Verfahren in den letzten Jahren fest etabliert. Exemplarisch werden drei spirituelle Ausbildungen im Coaching, integraler Medizin und psychedelisch erweiterter Psychotherapie mit ihren Chancen und Risiken vorgestellt. Welche Impulse kann die christliche Seelsorge davon aufnehmen, worin unterscheidet sie sich? Und wie können klassische Seelsorge-Angebote modifiziert werden, um als Teil der öffentlichen Gesundheitsversorgung der Gesundheit zu dienen?
Dr. Michael Utsch ist Dipl.-Psychologe. Er arbeitet bei der Ev. Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (ezw) und als niedergelassener Psychotherapeut in Berlin sowie als Honorarprofessor an der Ev. Hochschule Tabor in Marburg und anderen Universitäten.
18.00 Uhr Abendessen
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19.30 Uhr Actus academicus mit öffentlichem Abendvortrag:

Krise und Transformation: eine zugleich spirituelle und politische Herausforderung

In Kirche wie Gesellschaft sind wir derzeit mit Krisen konfrontiert, die in tiefgreifende und konfliktreiche Transformationsprozesse führen. Es besteht die Gefahr, diesen auszuweichen oder ihnen mit gewalttägigen Handlungsstrategien zu begegnen, die Gesellschaft und Kirche spalten. Demgegenüber soll Transformation einen Prozess bezeichnen, in dem die spirituelle und politische Dimension eng ineinander greifen. „Transformation“ lässt sich nicht „machen“, aber sie geschieht auch nicht ohne uns, sondern muss responsiv, dialogisch und kooperativ gestaltet werden. Dies betrifft in einer ganzheitlichen Weise die persönliche, kulturelle und strukturelle Dimension des (Zusammen-)Lebens. Die nötige sozio-ökologische Umkehr der Gesellschaft und die synodale Erneuerung der Kirche gehören dabei eng zusammen. Papst Franziskus macht dies programmatisch deutlich.
Martin Kirschner ist Professor für Theologie in Transformationsprozessen der Gegenwart an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und leitet das dortige KU Zentrum Religion, Kirche, Gesellschaft im Wandel. Er ist ständiger Diakon in Tübingen.
Musikalische Gestaltung: The Scarlet Scallywags

 

 


Publikationen

Zu jedem Dies Academicus erscheint im jährlichen Turnus ein Sammelband, in dem die Referenten ihre Vorträge zum Thema veröffentlichen. Der Band wird ergänzt durch Beiträge der Lehrenden der PTH, die sich aus ihrer jeweiligen Fachperspektive mit der Thematik beschäftigen. Somit schärft die Publikation auch das Profil der PTH mit ihrem Schwerpunkt der Theologie der Spiritualität

Frieden. Spiritualität in verunsicherten Zeiten

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Frieden.
Spiritualität in verunsicherten Zeiten
Aschendorff-Verlag, Münster 2020

Verunsicherung kann heilsam sein; sie kann aber auch zu Zerrissenheit, Angst und Unfrieden führen. Nicht selten dient sie als Entschuldigung für das Ausbleiben von entschiedenem Einsatz oder provoziert panische Reaktionen, wie Ab- und Ausgrenzungen. Sie hat im Menschen viele Facetten: physisch, emotional und intellektuell und verursacht gesellschaftliche Verwerfungen.
Unter dem Titel „Frieden – Spiritualität in verunsicherten Zeiten“ nehmen die Autoren aus der Perspektive ihrer wissenschaftlichen Disziplin die Gegenwart in den Blick. Theologie der Spiritualität, Gesellschafts- und Humanwissenschaften suchen das Gespräch.

Was und wie kann christliche Spiritualität tragfähige Hinweise für eine Lebensführung geben, die sich der prägenden Herausforderung der Gegenwart stellt: „Verunsicherung“.

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Kunst und Spiritualität

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Präsenz.
Zum Verhältnis von Kunst und Spiritualität
Aschendorff-Verlag, Münster 2019

Geht es der Spiritualität am Ende um Ähnliches wie der Kunst: nicht um Kunst-Stücke, sondern um Präsent-Werden werden von Raumen, Gegenständen und Lebenserfahrungen? Die Wirkung ist nicht statisch, sondern ein Gegenwärtig-Werden von Fragen, Ahnungen, Zusagen, Brüchen und Irritationen, ein neues Verständnis der Gegebenheiten, der einen „anderen Zustand“ mit sich bringt. An diesem Punkt der Transformation gibt es eine tiefe Verwandtschaft zwischen geschenkt-gelungenem, spirituellem Vollzug und der geschenkt-gelungenen Begegnung mit einem Kunstwerk. Wozu hin?
Zur Berührung – durch die äußeren und inneren Sinne?
Zur Öffnung – für die existentielle Wahrheit?
Zum Überschritt – aus der Funktion?
DA-hin. Spiritualität und Kunst, zwei Schulen der Präsenz.
Welche Kunst und welche geistliche Lebenskunst führt in das Wunder der Wahrnehmung, oder anders formuliert, was führt in die Tatsache der Gegenwart, der Präsenz der Dinge, die uns aus- und leer räumt, wie einen Trinkbecher, den man in einen Wasserfall hält, und doch ganz erfüllt? DA.
Die Beiträge dieses Bandes verfolgen Spuren von der Kunst zur Spiritualität und von der Spiritualität zur Kunst.

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Zeugnis

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Zeugnis.
Zum spirituellen Ursprung und zur Präsenz des Christlichen
Aschendorff-Verlag, Münster 2018

Was und woraufhin glauben wir? Gott erscheint mir zuerst als ein Wesen, an das andere Menschen mehr oder weniger glauben. Gott ist gegeben im Zeugnis der anderen, gewissermaßen innerhalb der Anführungszeichen ihrer Rede von Gott und ihres Verhaltens zu Gott. Die Gestalt ihres Glaubens ist mitentscheidend dafür, wie mir „Gott“ begegnet. Fällt das Zeugnis gänzlich aus, wird es schwierig. „Zeugen“ können mir Gott aber auch verstellen. Das Zeugnis bedarf der Deutung und des klärenden Begriffs, auch des Glaubwürdigkeitsnachweises, sonst verliert es sich in Beliebigkeit, Fanatismus oder Tyrannei. Wie weit muss, wie weit kann die (theologische) „Aufklärung“ des Zeugnisses und der Verkündigung gehen? Wo muss das verkündete Zeugnis stören und verstören in den Geläufigkeiten des Denkens? Wann ist es nicht nur Gegenstand, sondern Widerstand, der zu einem neuen Denken anregt? Wie heute Gott und den Glauben an das Evangelium glaubwürdig bezeugen? Noch weitgehender gefragt: Wie bezeugt sich der Herr „Heute“ selbst? Ist seine Gegenwart spiritueller Ursprung des Christlichen?


 

Spiritualität und Evangelisation

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hg.)
Spiritualität.
Auf der Suche nach ihrem Ort in der Theologie
Aschendorff-Verlag, Münster 2017

Ein Zauberwort besonderer Art ist das Wort „Spiritualität“. Damit ist mehr als nur ein Randphänomen berührt. Das Heute könnte möglicherweise als „spirituelles Zeitalter“ in die Geschichte eingehen. Ende der 1970er Jahre noch ein avantgardistischer Szenebegriff alternativer Kreise, ist „Spiritualität“ heute ein soziokultureller Leitbegriff. In ihm bündeln sich Prozesse des gesellschaftlichen Wandels in Bezug auf das Verständnis von Sinn, Werten und Religion. Traditionsgebundene Gotteserfahrungen können mit diesem Wort benannt werden und weniger traditionelle Erfahrungsweisen Gottes bis zu rein säkularen Praxisformen im Raum zeitgenössischer Experimentier- und Suchbewegungen, die „Sinn“ authentisch erfahrbar machen wollen. Spirituelle Sehnsucht kann, muss heute aber nicht heißen: religiöse Sehnsucht. Bei aller Ambivalenz der Phänomene: „Spiritualität“ ist eine Schlüsselkategorie für die Bedeutung von Religion und Sinn in der Spätmoderne.
In diesem Zusammenhang tauchen häufig andere Signalwörter auf: „Glück“, „Weisheit“, „authentisches Leben“ und „Ganzheitlichkeit“. Menschen sind auf der „Reise nach sich selbst“, suchen in einer mobilen, flexiblen, auf Effizienz getrimmten Gesellschaft nach „Verzauberung“ in Abenteuer und Erlebnis, sie verlangen nach „Heilung“, „Festigkeit“ und „Orientierungswissen“, nach „wirklicher Gemeinschaft“ und „Verbundenheit“. Ist das als „esoterisch“ zu belächeln? Ist es nur religionssoziologisch zu vermessen, zu analysieren und zu etikettieren? Verweigert die Theologie den substantiellen Dialog? Kennt sie den Reichtum der christlichen spirituellen Tradition, um ihn ins Spiel zu bringen? Hilft sie unterscheiden und stärken? Ist sie von ihrem ganzen Denkgestus noch genügend „spiritualitätssensibel“ bei ihrer Sache? Ein nicht geringer Grund für den oft beklagten Relevanzverlust der Theo-logie liegt hier.
Die PTH Münster in Trägerschaft der Deutschen Kapuzinerprovinz hat die „Theologie der Spiritualität“ zum theologischen Arbeitsschwerpunkt gemacht. Das ist nicht nur eine Fachbereichsbezeichnung, sondern die Herausforderung an alle Dozierenden, sich aus der Perspektive ihrer Disziplin dem Thema „Spiritualität“ zu stellen und grundsätzlich nach ihrem Ort in der Theologie zu suchen.
Das Ergebnis liegt nun in Buchform vor, bereichert durch Beiträge, mit denen inspirierende Gäste beim Dies academicus der PTH am 8. Dezember 2015 die theologische Auseinandersetzung mit Spiritualität beflügelt haben.


 

Armut

Thomas Möllenbeck / Ludger Schulte (Hgg.)
Armut
Zur Geschichte und Aktualität eines christlichen Ideals
Aschendorff Verlag Münster 2015, kartoniert., € 24,80, ISBN 978-3-402-13137-4

Im Jahr 2015 feierten die Kapuziner das Privileg, das ihnen vor 400 Jahren in Münster gewährt wurde:
Es wurde ihnen erlaubt, in der Stadt zu ‚betteln und zu predigen‘. Dies überhaupt zu wollen und die
Erlaubnis dazu ein ‚Privileg‘ zu nennen, erscheint auch heute nicht selbstverständlich. Daher wurde am 8. Dezember 2014 ein Symposium der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Münster im Vorlauf zum traditionellen Actus Academicus abgehalten, mit dem Titel „Betteln und Predigen. Wie arm soll die Kirche sein?“ Der Band dokumentiert die Vorträge des Symposiums sowie weitere Beiträge von Lehrenden der PTH.


Ansprechpartner

PD Dr. Thomas Möllenbeck

PD Dr. Thomas Möllenbeck

t.moellenbeck@gmx.de